Die bewusste Anwendung von Pflanzen oder deren Zubereitungen zur Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen ist wohl so alt, wie die Menschheit selbst. Heilpflanzen waren neben Mineralien und tierischen Produkten lange Zeit die einzigen Heilmittel, die man kannte. Die Erfahrung im Umgang mit ihnen, erarbeitet von den Arzt-Botanikern der Antike wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Heute ist die Heilpflanzenkunde eine eigene Wissenschaft. Durch die Bestimmung der Pflanzeninhaltsstoffe und die Erforschung ihrer Wirkung findet Erklärung, was zuvor nur Empirie war. Viele erfolgreiche Medikamente enthalten Wirkstoffe pflanzlichen Ursprungs.

 

Als Tee, Tinkturen, Aufgüsse für Bäder und Umschläge werden Heilpflanzen auch heute noch vor allem zur Behandlung von Alltagsbeschwerden sowie bei akuten und chronischen Erkrankungen eingesetzt.

 

 

Pflanzliche Wirkstoffgruppen

 

Alkaloide

Hier handelt es sich zumeist um sehr stark wirkende Stoffe, gewissermaßen um “Heilgifte”. Alle Pflanzen mit Alkaloiden als Hauptwirkstoff eignen sich deshalb nicht für die Teetherapie. In geringer Menge gibt es Alkaloide auch in “ungiftigen” Heilpflanzen. Dort unterstützen sie als Nebenwirkstoffe die Heilwirkung der Pflanze.

 

Bitterstoffe

Bitterstoffdrogen werden je nach Zusammensetzung der Bittermittel in drei Gruppen unterteilt:

 

Reine Bittermittel, die Amara tonica

Bitterstoffe regen die Magensaftsekretion intensiv an und entfalten darüber hinaus eine tonisierende (kräftigende) Allgemeinwirkung. Bitterstoffdrogen werden deshalb bei fehlendem Appetit und zur Verbesserung der Verdauung eingesetzt, ebenso bei Schwächezuständen verschiedenster Art.

 

Bittermittel, die neben den Bitterstoffen noch ätherisches Öl enthalten, die Amara aromatica
Durch die antiseptische Wirkung der ätherischen Öle wird das Wirkungsspektrum der Bitterstoffdrogen noch erweitert. So werden neben der verdauungsanregenden und tonisierenden Wirkung auch die Gallen- und Leberfunktion angeregt und Gärungserscheinungen im Darm beseitigt.

 

Bittermittel, die Scharfstoffe enthalten, die Amara acria
Diese Drogen verbessern auch die Kreislauffunktion. Da die Verdauung den Kreislauf weit mehr belastet, als man bisher angenommen hat, können Bitterstoffdrogen dieser Belastung entgegenwirken.

 

Ätherische Öle

Diese pflanzlichen Inhaltsstoffe sind leicht flüchtig, in Wasser nur wenig oder überhaupt nicht löslich. Sie riechen stark und zwar bis auf wenige Ausnahmen angenehm. Sie wirken entzündungshemmend, expektorierend (das Abhusten erleichternd), harntreibend und krampflösend. Sie können mehr oder weniger hautreizend wirken und haben antibakterielle sowie möglicherweise auch antivirale Wirkung.

 

Flavonoide

Das ist ein Sammelbegriff für Stoffe gleicher chemischer Grundstruktur. Flavonoide haben sehr unterschiedliche chemische und physikalische Eigenschaften, deshalb kann man keine einheitliche Wirkung annehmen. Dennoch sind manche Wirkungen für Flavonoide bezeichnend: sie helfen bei abnormer Gefäßbrüchigkeit, bei bestimmten Herz-Kreislaufstörungen und bei Krämpfen im Verdauungstrakt. An der Gesamtwirkung einer Heilpflanze sind Flavonoide zweifellos immer aktiv beteiligt.

 

Gerbstoffe

Diese Pflanzeninhaltsstoffe sind in der Lage, Eiweissstoffe der Haut und der Schleimhaut zu binden und in widerstandsfähige Stoffe überzuführen. Dadurch entziehen sie den auf verletzter Haut und Schleimhaut angesiedelten Bakterien den Nährboden.

 

Glykoside

Ihre Wirkungsvielfalt und Wirkungsverschiedenheit ist groß. Die Bezeichnung “Glykosiddrogen” ist aber zu einem festen Bestandteil der Heilpflanzenliteratur geworden. Die herzwirksamen Stoffe des Fingerhutes, die schleimlösenden Wirkstoffe der Primelwurzel, die abführenden Stoffe der Faulbaumrinde sind allesamt Glykoside.

 

Kieselerde

Die wasserlöslichen Salze der Kieselsäure werden aus dem Boden aufgenommen und in die Zellmembran der Pflanze eingelagert. Da nun die Kieselsäure auch ein unentbehrlicher Bestandteil des menschlichen Organismus ist, kann man durch Kieselsäuredrogen dort Besserung erzielen, wo durch Verminderung des Kieselsäureangebots in der Nahrung vor allem Bindegewebe, Haut, Haare oder Nägel geschädigt sind.

 

Saponine

Saponine sind pflanzliche Glykoside, die zusammen mit Wasser einen haltbaren Schaum ergeben, Öl in Wasser emulgieren und eine hämolytische Wirkung besitzen. Sie können schleimlösend, wassertreibend und entzündungswidrig wirksam sein.

 

Schleim

Unter Schleim im botanisch-pharmakologischen Sinne versteht man kohlehydrathaltige Stoffe, die im Wasser stark aufquellen und eine visköse(fadenziehende) Flüssigkeit liefern. Sie wirken reizmildernd.

 

Vitamine, Mineralien und Spurenelemente

Sie gehören zu den essentiellen Nährstoffen, ohne die das Leben schlechterdings nicht möglich ist. Daher sind bei der Behandlung von Krankheiten, bei denen ein solcher Mangel vorliegt, die Zubereitungen aus Heilpflanzen mit diesen Inhaltsstoffen besonders wichtig.

 

 

Das Studium von Heilpflanzen nimmt auch in der Gegenwart noch einen wesentlichen Teil des universitären Ausbildungsganges der Pharmazeuten ein. Fundierte Kenntnisse auf diesem Gebiet sind unerlässlich. Die Ausbildung erstreckt sich deshalb vom systematischen Bestimmen ganzer Pflanzen über das Mikroskopieren verschiedener Pflanzenteile bis hin zur phytochemischen Untersuchung der einzelnen Wirkstoffe, ihrer Verbreitung, Bildung und chemischen Struktur.

 

Große Bedeutung kommt auch dem Erlernen der medizinischen Nutzungsmöglichkeiten von Arzneipflanzen zu, aber auch der Grenzen ihrer Anwendung.

 

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